Unsere Beispielfamilie Wirtz aus Ostholstein verdeutlicht, in welcher Weise digitale Angebote ganz konkrete Lebens- und Bedarfslagen ländlicher Gemeinden aufgreifen. Die 78-jährige Erna Wirtz ist in ihrer 600-Seelen-Gemeinde fest verwurzelt. Ihren Kardiologen besucht sie regelmäßig in der 24 km entfernten Kreisstadt. Es gibt nur wenige Busverbindungen dorthin. „Besonders schlimm ist der Buswechsel auf halber Strecke im Winter“, meint Erna Wirtz frustriert. Die schlechten Busverbindungen erschweren auch den täglichen Einkauf der alten Dame.

Ihr 27-jähriger Enkel Stefan hat in Hamburg studiert. Wegen der Hektik und Anonymität der Großstadt ist Stefan Wirtz jedoch vor einem Jahr in seinen Heimatort zurückgekehrt. Er hat das seitdem nicht bereut. Dennoch vermisst er die Theateraufführungen und die vielen Konzertangebote der Elbemetropole. Auch der weite Weg zur nächsten Volkshochschule ist für den sprachbegeisterten jungen Mann ungewohnt und sehr lästig.

Sein Vater Paul Wirtz ärgert sich: „Die Ampel an der Ortsausfahrt ist häufig kaputt. Man wartet endlos auf „grün“ und repariert wird nicht selten erst nach Tagen. Was ich da jedes Mal an Zeit verliere …“

Kirsten Wirtz, seine Frau, trauert dagegen der Zeit nach, in denen die sozialen Beziehungen im Dorf noch intakt waren: „Früher waren die Nachbarn immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wurden“, kommentiert sie wehmütig.

 

Wie ändert sich der Alltag von Familie Wirtz durch digitale Angebote?

Erna Wirtz erhält von ihrem Herzspezialisten einen Körpersensor zur Messung der wichtigsten kardiologischen Daten. Der Sensor ist über Funk mit dem Pieper der Ambulanz verbunden und informiert diese rund um die Uhr, falls die gemessenen Werte kritisch sind und ein ärztlicher Vor-Ort-Einsatz unverzüglich erfolgen muss.

Die ganze Familie profitiert von den neuen Anwendungen auf ihren Smartphones, mit denen die Nutzung von Mitfahrgelegenheiten in der Region oder des Lieferservices eines Lebensmittelmarktes im Nachbarort mit wenigen Klicks möglich ist. „Erstaunlich, wie groß die Bereitschaft der Nachbarn ist, kleine Besorgungen zu erledigen oder eine Mitfahrt anzubieten. Und wie man darüber ins Gespräch kommt!“, schwärmt Kirsten Wirtz.

Der Italienisch-Sprachkurs der VHS in der Kreisstadt wird demnächst auch als Live-Stream im Internet angeboten. Wann immer Stefan Wirtz zukünftig nicht die Zeit findet, den Kurs zu besuchen, kann er die verpasste Lektion jederzeit im heimischen Wohnzimmer nachholen.

Paul Wirtz dagegen begeistert sich für den neuen Mängelmelder der Gemeindeverwaltung: „Als die Ampel letzte Woche wieder ausgefallen ist, habe ich die Störung direkt mit meinem Handy gemeldet. Unglaublich: Schon am nächsten Tag war sie behoben und das Beste war, dass ich eine Rückmeldung über die Störungsbeseitigung erhalten habe. Zusammen mit einem freundlichen Dankeschön!“

Kirsten Wirtz freut sich über ein anderes digitales Angebot. Die Zulassung ihres neuen Corsa ist nur während ihrer Arbeitszeit möglich? Kein Problem! Kirsten Wirtz stellt ihren Antrag im Internet. Dort stimmt sie auch darüber ab, ob ihr der Ausbau der Radwege im Ortskern oder der neue Spielplatz für den kommunalen Kindergarten wichtiger ist.